8.000 Steuerberater gehen in den nächsten Jahren in Rente. Warum das für Gründer die größte Chance seit Jahrzehnten ist – mit Zahlen, Analysen und konkreten Handlungsempfehlungen.
Über den Fachkräftemangel in der Steuerberatung wird viel geredet. Was dabei oft untergeht: Für Gründer ist dieser Umbruch keine Bedrohung, sondern eine historische Gelegenheit. In den kommenden Jahren scheiden rund 8.000 Steuerberater altersbedingt aus dem Markt aus. Ihre Mandanten suchen neue Berater, ihre Kanzleien stehen zum Verkauf, und die Nachfrage nach steuerlicher Beratung steigt gleichzeitig weiter. Wer jetzt gründet, trifft auf einen Markt mit weniger Wettbewerb und mehr Nachfrage als je zuvor.
Inhaltsverzeichnis
Die Zahlen: Was der demografische Wandel bedeutet
Laut Bundessteuerberaterkammer sind aktuell rund 100.000 Steuerberater in Deutschland zugelassen. Davon sind über 30 Prozent älter als 55 Jahre. Das bedeutet: In den nächsten 10 bis 15 Jahren wird knapp ein Drittel des gesamten Berufsstands in den Ruhestand gehen. Allein bis 2030 rechnet die Branche mit dem Ausscheiden von 8.000 bis 10.000 Berufsträgern.
Gleichzeitig stagniert die Zahl der Neubestellungen. Jedes Jahr bestehen rund 2.500 bis 3.500 Kandidaten das Steuerberaterexamen – viele davon bleiben zunächst in der Anstellung. Die Lücke zwischen ausscheidenden und nachrückenden Steuerberatern wird Jahr für Jahr größer.
Was das konkret für Gründer bedeutet
Weniger Wettbewerb um Mandanten
Wenn Steuerberater in Rente gehen und ihre Kanzleien schließen, stehen deren Mandanten plötzlich ohne Berater da. Diese Mandanten suchen aktiv – und sie sind deutlich leichter zu gewinnen als Mandanten, die bereits zufrieden bei einem Kollegen sind. Für Kanzleigründer bedeutet das: Die Mandantengewinnung wird leichter als in einem gesättigten Markt.
Günstige Übernahme-Möglichkeiten
Mehr Kanzleien zum Verkauf bei weniger Käufern – das drückt die Preise. Während vor zehn Jahren das 1,2- bis 1,5-Fache des Jahresumsatzes üblich war, liegt der Multiplikator heute oft bei 0,8 bis 1,2. Für Gründer, die eine Übernahme erwägen, sind das die besten Konditionen seit Langem. Und wer clever verhandelt, kann Ratenzahlungsmodelle aushandeln, die den Einstieg noch leichter machen.
Steigende Nachfrage durch Regulierung
Parallel zum Rückgang der Berater steigt die Nachfrage. Neue Regulierungen wie die E-Rechnung, verschärfte Meldepflichten, internationale Steuerreformen und wachsende Compliance-Anforderungen sorgen dafür, dass Unternehmen mehr denn je auf steuerliche Beratung angewiesen sind. Der Kuchen wird größer, während die Zahl derer, die ein Stück abbekommen, kleiner wird.
Regionale Chancen
Der demografische Wandel trifft nicht alle Regionen gleich. Im ländlichen Raum ist die Situation besonders ausgeprägt: Dort gehen verhältnismäßig mehr Steuerberater in Rente, während junge Gründer in die Städte ziehen. Wer bereit ist, eine Kanzlei im ländlichen Einzugsgebiet zu eröffnen – oder eine digitale Kanzlei zu gründen, die bundesweit Mandanten betreut – hat enorme Chancen.
Drei Strategien, um von diesem Trend zu profitieren
Strategie 1: Jetzt gründen und den Markt besetzen
Je früher Du gründest, desto mehr profitierst Du vom Angebotsrückgang. Wer heute eine Kanzlei mit klarer Positionierung startet, kann in zwei bis drei Jahren genau die Marktposition halten, die ausscheidende Kollegen hinterlassen. Der beste Zeitpunkt zum Gründen war vor fünf Jahren – der zweitbeste ist jetzt.
Strategie 2: Kanzlei übernehmen statt gründen
Wenn Du es Dir leisten kannst, ist die Übernahme einer bestehenden Kanzlei aktuell ein sehr attraktiver Weg. Du bekommst Mandanten, Mitarbeiter und Infrastruktur – zu Preisen, die vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wären. Achte bei der Übernahme auf die Altersstruktur der Mandanten und die Digitalisierung der Prozesse. Eine Kanzlei mit 70-jährigen Mandanten und Papierakten ist weniger wert als eine mit mittelständischen Unternehmern und digitaler Infrastruktur.
Strategie 3: Digital gründen und überregional wachsen
Der demografische Wandel trifft die klassische Vor-Ort-Kanzlei am härtesten. Wenn Du eine komplett digitale Kanzlei gründest, bist Du nicht an einen Standort gebunden. Du kannst Mandanten aus unterversorgten Regionen betreuen, ohne dort ein Büro zu haben. Das spart Kosten und vergrößert Deinen Einzugsbereich enorm.
Was Du jetzt tun solltest
Wenn Du mit dem Gedanken spielst, Dich selbstständig zu machen, dann warte nicht auf den perfekten Moment. Der Markt wird in den nächsten Jahren immer günstiger für Gründer. Aber die besten Positionen – die attraktivsten Nischen, die günstigsten Übernahmen, die sichtbarsten Platzierungen bei Google – gehen an die, die zuerst handeln.
Fang mit den Grundlagen an: Positionierung definieren, Website aufsetzen, Marketing starten. Und wenn Du bei den ersten 100 Tagen Unterstützung brauchst – dafür gibt es taxtify.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Steuerberater gehen tatsächlich in Rente?
Laut Branchenschätzungen werden in den nächsten 10 bis 15 Jahren rund 8.000 bis 10.000 Steuerberater altersbedingt ausscheiden. Aktuell sind über 30 Prozent aller zugelassenen Steuerberater älter als 55 Jahre. Der Höhepunkt der Pensionierungswelle wird zwischen 2028 und 2035 erwartet.
Bedeutet weniger Steuerberater automatisch mehr Mandanten für mich?
Nicht automatisch, aber die Wahrscheinlichkeit steigt deutlich. Mandanten, deren Steuerberater in Rente geht, suchen aktiv nach einem neuen Berater. Wer online sichtbar ist und eine klare Positionierung hat, profitiert am meisten von diesem Trend. Passive Mandantengewinnung allein reicht aber nicht – aktives Marketing bleibt wichtig.
Ist jetzt wirklich der beste Zeitpunkt zum Gründen?
Aus Marktsicht ja. Die Kombination aus weniger Wettbewerb, steigender Nachfrage und günstigen Übernahmepreisen ist historisch einmalig. Natürlich spielen auch persönliche Faktoren eine Rolle: finanzielle Rücklagen, Berufserfahrung und die eigene Risikobereitschaft.
Sollte ich lieber kaufen oder gründen?
Das hängt von Deinem Budget und Deinen Zielen ab. Eine Neugründung ist günstiger und flexibler, dauert aber länger bis zur Profitabilität. Ein Kauf bringt sofort Mandanten, kostet aber deutlich mehr. Einen ausführlichen Vergleich findest Du in unserem Beitrag zu den drei Wegen in die Selbstständigkeit.
Wie finde ich Kanzleien, die zum Verkauf stehen?
Über die Steuerberaterkammern, spezialisierte Kanzleibörsen wie kanzleiboerse.de oder stbverband.de, persönliche Netzwerke und regionale Steuerberaterverbände. Auch eine direkte Ansprache von älteren Kollegen in Deiner Region kann funktionieren – viele haben noch keinen Nachfolger gefunden und sind offen für Gespräche.