Du willst Dich als Steuerberater selbstständig machen, aber welcher Weg ist der richtige? Die drei gängigsten Optionen – eigene Kanzlei gründen, bestehende Kanzlei kaufen oder einem Verbund beitreten – haben jeweils klare Vor- und Nachteile. Hier bekommst Du einen ehrlichen Vergleich aller drei Wege.
Inhaltsverzeichnis
ToggleOption A: Eigene Kanzlei gründen
Du startest bei null, mit voller Gestaltungsfreiheit. Kein überholter Mandantenstamm, keine Alt-Prozesse, keine Kompromisse. Die Gründungskosten liegen bei 20.000 bis 50.000 Euro – vergleichsweise günstig. Dafür hast Du am Anfang keinen Umsatz und musst Dir jeden einzelnen Mandanten selbst erarbeiten.
Das klingt abschreckend, hat aber einen Vorteil: Du baust von Tag eins Deine Wunsch-Mandantenstruktur auf. Keine C-Mandanten, die Du erbst. Keine Altlasten. Dafür brauchst Du eine Liquiditätsreserve für 6 bis 12 Monate und die Bereitschaft, aktiv zu akquirieren.
Geeignet für: Gründer mit klarer Positionierung, die gerne akquirieren und mit wenig Kapital starten wollen.
Option B: Kanzlei kaufen
Der schnellste Weg zu planbarem Umsatz. Du übernimmst einen bestehenden Mandantenstamm, ein eingearbeitetes Team und funktionierende Abläufe. Vom ersten Monat an fließt Geld.
Der Preis dafür: 80 bis 120 Prozent des Jahresumsatzes als Kaufpreis. Eine Kanzlei mit 400.000 Euro Umsatz kostet Dich also 320.000 bis 480.000 Euro. Dazu das Risiko, dass Mandanten abwandern – erfahrungsgemäß 10 bis 30 Prozent bei einem Inhaberwechsel, wenn die Übergabe nicht gut geplant ist.
Außerdem erbst Du alles: Das Gute (treue Mandanten, eingespieltes Team) und das Schlechte (veraltete Software, ungünstige Mietverträge, schwierige Mandanten). Eine gründliche Due Diligence vor dem Kauf ist deshalb Pflicht.
Geeignet für: Steuerberater mit Kapital oder Finanzierungszugang, die schnell profitabel arbeiten wollen und kein Problem damit haben, bestehende Strukturen zu übernehmen und schrittweise zu modernisieren.
Option C: Kanzleiverbund beitreten
Der Mittelweg, den viele übersehen. Du bleibst selbstständig, trittst aber einem Zusammenschluss von Kanzleien bei, die unter einer gemeinsamen Marke auftreten. Du profitierst von zentralem Marketing, gemeinsamer IT-Infrastruktur, Einkaufsvorteilen bei Software und Versicherungen und dem fachlichen Austausch mit erfahrenen Kollegen.
Die Kosten sind deutlich niedriger als bei einer Übernahme – typischerweise eine monatliche Lizenz- oder Franchisegebühr. Dafür gibst Du einen Teil Deiner unternehmerischen Freiheit auf: Corporate Design, Preisgestaltung und Prozesse werden teilweise vorgegeben.
Geeignet für: Gründer, die die Sicherheit einer Marke und Struktur wollen, ohne den hohen Kaufpreis einer Übernahme zu zahlen.
Ehrlicher Vergleich: Die Zahlen
Bei einer Neugründung investierst Du 20.000 bis 50.000 Euro und erreichst den Break-even nach 6 bis 12 Monaten. Bei einer Übernahme investierst Du 200.000 bis 500.000 Euro, bist aber sofort profitabel. Beim Verbund zahlst Du 5.000 bis 15.000 Euro Startgebühr plus monatliche Lizenz und erreichst den Break-even nach 3 bis 6 Monaten durch die Markenbekanntheit.
Die richtige Finanzierung
Für alle drei Optionen gibt es passende Finanzierungswege. KfW-Gründerkredite bieten günstige Zinsen und tilgungsfreie Anlaufphasen. Für Kanzleiübernahmen akzeptieren viele Verkäufer Ratenzahlung über 3 bis 5 Jahre. Ein solider Businessplan ist für die Bankfinanzierung Pflicht – er zeigt, dass Du Deinen Markt, Deine Zielgruppe und Deine Zahlen kennst.
Mein Tipp: Erst positionieren, dann entscheiden
Bevor Du Dich für einen Weg entscheidest, kläre Deine Positionierung: Welche Zielgruppe willst Du ansprechen? In welcher Region? Mit welcher Spezialisierung? Die Antworten bestimmen den besten Weg. Wer Ärzte in einer Großstadt beraten will, gründet besser neu mit klarer Nische. Wer eine breit aufgestellte Kanzlei im ländlichen Raum führen will, ist mit einer Übernahme oft besser bedient.
Weiterlesen
- 8.000 Steuerberater gehen in Rente – Warum jetzt der beste Zeitpunkt für eine Gründung ist
- Mitarbeiterzufriedenheit in der Steuerkanzlei messen und verbessern
- Talentpool für Steuerkanzleien – So besetzt Du offene Stellen schneller
- Bewerbermanagement für Steuerkanzleien – Mit Kanban-Board zum strukturierten Recruiting
Beide Wege haben Vorteile: Eine Neugruendung kostet weniger und bietet volle Gestaltungsfreiheit, aber du startest ohne Mandanten. Ein Kanzleikauf bringt sofort Umsatz, ist aber teurer und birgt Risiken bei der Mandantenuebernahme. Die Entscheidung haengt von Budget und Risikobereitschaft ab.
Der Kaufpreis liegt typischerweise bei 80-120 Prozent des Jahresumsatzes. Eine Kanzlei mit 300.000 Euro Umsatz kostet also 240.000-360.000 Euro. Dazu kommen Uebernahmekosten fuer Mietvertrag, Personal und eventuell notwendige Modernisierungen.
Ein Kanzleiverbund ist ein Zusammenschluss selbstaendiger Steuerberater unter einer gemeinsamen Marke. Vorteile: Gemeinsames Marketing, Wissensaustausch, zentrale IT und Einkaufsvorteile. Du bleibst selbstaendig, profitierst aber von der Infrastruktur einer groesseren Organisation.
Podcast: Wie gründet man eine Steuerkanzlei?
In dieser Folge des Haufe-Podcasts Verhör(t) spricht Max Müller von Baczko über die drei Wege zur eigenen Kanzlei: Neugründung, Übernahme oder Kanzleiverbund. Mit konkreten Vor- und Nachteilen aus der Beratungspraxis.
taxtify begleitet Deine Kanzleigründung von Tag 1 an.
Kanzleigründung mit taxtify →Mehr Praxiswissen im Kanzlei-Ratgeber für Steuerberater.


