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ToggleMandanten kündigen – Wann und wie Du Dich von Mandanten trennst
Das ist ein heikles Thema: Wie kündigst Du einem Mandanten, ohne Dein Geschäft zu schädigen? Viele Steuerberater halten an problematischen Mandanten fest – aus Angst vor Umsatzverlust oder schlechtem Ruf. Das ist ein Fehler. Ein Problem-Mandat kostet Dich mehr, als Du verdienst.
Die beste Gründung für eine Mandaten-Kündigung ist: Du brauchst Platz für bessere Mandanten.
Warum Du manchmal Mandanten kündigen musst
Es gibt echte Gründe, ein Mandat zu beenden:
Finanzielle Gründe
- Unprofitabel: Der Aufwand ist größer als die Gebühren
- Zahlt nicht: Chronische Zahlungsverzögerungen
- Preisdruck: Der Mandant verhandelt ständig nach unten
- Keine Wertsteigerung: Das Mandat wächst nicht, stagniert
Zwischenmenschliche Gründe
- Respektlos: Der Mandant behandelt Dich oder Dein Team unfreundlich
- Vertrauensprobleme: Der Mandant vertraut Dir nicht, funkt immer dazwischen
- Unzufrieden: Der Mandant beschwert sich ständig, kann nicht befriedigt werden
- Unrealistische Erwartungen: Der Mandant erwartet leistungen, die unmöglich sind
Ethische Gründe
- Illegale Aktivitäten: Der Mandant möchte Dich in illegale Dinge verwickeln
- Unsaubere Praktiken: Der Mandant arbeitet unethisch
- Falsche Information: Der Mandant lügt oder versteckt Informationen
- Unzureichende Kompetenz: Du kannst den Mandanten nicht adäquat beraten
Die Kosten eines Problem-Mandats
Rechne realistische, was ein Problem-Mandat kostet:
Beispiel:
- Gebühren: 2000 Euro/Jahr
- Aufwand: 60 Stunden/Jahr (statt geplanten 40 Stunden)
- Deine Stundensätze: 100 Euro
- Reale Kosten: 60 Stunden × 100 Euro = 6000 Euro
- Reale Rentabilität: 2000 – 6000 = -4000 Euro Verlust!
Das ist kein seltenes Szenario. Problem-Mandanten kosten Dich echte Verlustverluste.
Diese Energie könnte in bessere Mandanten fließen.
Wann solltest Du nicht kündigen?
Nicht jede Schwierigkeit ist ein Kündigungsgrund:
- Kurzzeitige Zahlungsprobleme: Nicht sofort kündigen. Klär es ab.
- Missverständnisse: Ein offenes Gespräch kann alles ändern
- Lernkurve: Ein neuer Mandant ist am Anfang anspruchsvoll
- Temporäre Probleme: Der Mandant durchlebt eine schwierige Zeit
Die Faustregel: Erst alles versuchen, um das zu retten. Nur wenn es nicht funktioniert, kündigen.
Der Prozess der Kündigungs-Entscheidung
Schritt 1: Diagnose
Frag Dich ehrlich:
- Was ist das konkrete Problem?
- Ist es ein echtes, wiederkehrendes Problem oder eine Einzelheit?
- Habe ich wirklich alles versucht?
- Ist es ein Problem mit dem Mandanten oder mit mir?
Schritt 2: Gespräch
Bevor Du kündigst, führe ein offenes Gespräch:
- Teile das Problem mit (konkret, nicht vage)
- Erkläre die Auswirkungen
- Frag, wie der Mandant sich das vorstellt
- Versucht, eine Lösung zu finden
Manche Problem-Mandanten ändern sich, wenn sie verstehen, wie es ankommen.
Schritt 3: Deadline setzen
Falls nötig, setz eine klare Deadline:
„Wenn die Zahlungen nicht bis 30.4. erfolgt sind, muss ich die Zusammenarbeit beenden.”
Das gibt dem Mandanten die letzte Chance – und Dir Klarheit.
Schritt 4: Entscheidung treffen
Wenn die Deadline abgelaufen ist und es hat sich nicht geändert: Kündigen.
Wie Du kündigst
Formales (rechtlich)
Beachte die rechtlichen Anforderungen:
- Schriftliche Kündigung: Per Email oder Brief
- Kündigungsfrist: Üblicherweise 4 Wochen (check Deine Vereinbarung)
- Begründung: Optional, aber transparent ist besser
- Übergabe: Alle Dokumente und Daten müssen zum Mandanten
Das Kündigungs-Schreiben
Muster:
„Sehr geehrter [Name],
mit dieser E-Mail kündige ich unsere Geschäftsbeziehung zum 30.5.2024.
Grund sind wiederkehrende Zahlungsverzögerungen, die trotz mehrfacher Absprachen nicht gelöst wurden. Auch wenn ich verständnis für Deine geschäftliche Situation habe, kann ich so nicht weitermachen.
Ich werde Dir bis zum 30.5. alle Dokumente und Unterlagen zur Verfügung stellen. Bitte kümmere Dich um einen neuen Steuerberater.
Solltest Du Fragen haben, bin ich unter [Nummer] erreichbar.
Mit freundlichen Grüßen,
[Dein Name]”
Mündlich oder schriftlich?
Schreib immer schriftlich. Ein Telefongespräch kann kommen, aber die schriftliche Kündigung ist wichtig.
Warum? Weil es dokumentiert ist und Missverständnisse vermeidet.
Die Übergabe regeln
Nach der Kündigung:
- Alle Dokumente sammeln: Steuererklärungen, Belege, Unterlagen
- Datenübergabe: Digitale Unterlagen, Passwörter übergeben
- Beratung anbieten: „Ich helfe Dir einen neuen Berater zu finden”
- Offene Rechnungen: Rechnung ausstellen, bis dahin keine Übergabe
- Schweigepflicht beachten: Du darfst nicht über den Mandanten sprechen
Häufige Fehler bei Mandanten-Kündigungen
- Zu emotional: Das ist Business, keine persönliche Beleidigung
- Zu lange warten: Je länger, desto schmerzhafter
- Keine Begründung: Der Mandant hat ein Recht zu wissen, warum
- Unprofessionell: Saubere, respektvolle Abwicklung ist wichtig
- Negative Bewertungen befürchten: Fair behandelte Mandanten schreiben selten schlecht über Dich
Die Chancen einer Kündigung
Das negative Denken: „Wenn ich kündig, verliere ich Umsatz.”
Das positive Denken: „Wenn ich kündig, gewinne ich Zeit für bessere Mandanten.”
Eine Kündigung ist oft eine Befreiung:
- Weniger Stress für Dich
- Weniger Belastung für Dein Team
- Mehr Zeit für bessere Mandanten
- Bessere Rentabilität insgesamt
- Klarere Grenzen in Deinem Business
Spezialfälle: Wann musst Du kündigen?
Illegale Aktivitäten
Wenn ein Mandant Dich in illegale Dinge verwickeln will (z.B. Steuerhinterziehung, Geldwäsche):
- Sofort kündigen – nicht mitarbeiten
- Keine Beihilfe – Deine Berufsordnung verbietet es
- Ggf. Anzeige – Abhängig von der Situation
Das ist nicht verhandelbar.
Unzureichende Kompetenz
Wenn Du merkst, dass Du den Mandanten nicht adäquat beraten kannst (z.B. eine sehr spezielle Branche, in der Du keine Expertise hast):
- Sag ihm ehrlich: „Das ist nicht meine Stärke”
- Empfiehl einen spezialisierten Berater
- Kündig mit gutem Gefühl – das ist fair zu beiden Seiten
Fazit: Eine Kündigung kann das Beste sein, das Du machst
Die besten Steuerberater sind nicht diejenigen, die jeden Mandanten halten – sondern die, die ihr Business strategisch aufbauen.
Ein Problem-Mandat zu kündigen ist nicht feige – es ist Geschäftssinn.
Mach Platz für Mandanten, die Dich schätzen, zahlen und mit denen Du gerne arbeitest.
Das ist die Basis für ein glückliches, profitables Geschäft.